LIMBO KOLLEKTIV

LIFTING  IMMORTAL  MUSIK  BEYOND  OBLIVION


Die Beschäftigung mit der Musik von Komponisten und Komponistinnen, die unter schwierigen Umständen ihrer musikalischen Arbeit nachgegangen sind, ist bereits seit einigen Jahren ein Fokus der Pianistin Katarzyna Wasiak – der Mitbegründerin von LIMBO Kollektiv. Die Verfolgung aufgrund politischer und ideologischer Gründe verhinderte viel zu oft das Fortwirken ausgegrenzter Komponistinnen, dennoch lassen sich in zahlreichen Archiven deren Materialien finden. Das Anliegen von LIMBO [dt. “Limbus”, lat. für ‚Rand‘, ‚Saum‘, ‚Umgrenzung‘, bezeichnet in der katholischen Theologie zwei Orte am Rande der Hölle, an dem sich Seelen aufhalten, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind] Kollektiv ist es, genau dieser Musik nachzugehen, sie aus den Archiven zu holen und lebendig in die Erfahrungswelten der Menschen zu bringen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden nicht nur viele Karrieren visionärer MusikerInnen beschnitten, auch die Leben zahlreicher europäischer KünstlerInnen wurden vernichtet, die nicht in das politisch-ideologische Narrativ der damaligen Zeit einzuordnen waren. Die vereinzelten KünstlerInnen können als Symbol für all diejenigen stehen, die unterdrückt und dadurch in die Vergessenheit gestürzt sind. Neben der künstlerischen Anerkennung, die den Arbeiten gebührt, erhebt das LIMBO Kollektiv auch den Anspruch, die Thematik im Rahmen sozio-politischer Kontexte aufzubereiten und zu vermitteln, was die Aktualität der Thematik nur verdeutlicht. Auch die Lebenswege und Schicksale der KünstlerInnen sollen transportiert werden, um die eigene Erfahrungswelt der Menschen im 21. Jahrhundert zu erreichen und Bezüge herzustellen.

Das LIMBO Kollektiv ist eine Initiative für Menschen aller Altersgruppen, die von Initiatoren aus den Bereichen Musik, Psychologie, Videokunst, Webdesign und Musikmanagement konzipiert wurde. Dank des Engagements von Petra Sailer, Victor Nicoara und Alberto Asencio entstand der Prototyp unserer Plattform. Unter dem Begriff von LIMBO – Lifting Immortal Music Beyond Oblivion – Kollektiv vereinen wir zahlreiche Projekte und vielfältige Herangehensweisen, um die Musik aus der Vergessenheit zu lösen. 

 

Ein wichtiges Fundament des Kollektivs ist eine interaktive Webseite, die sich derzeit im prototypischen Aufbau befindet. In Form einer Europa-Karte sollen die Lebenswege und Schaffensorte wie auch -perioden der einzelnen KomponistInnen auf erfahrbare Weise dargestellt werden. Ein Anliegen ist uns hier, die Thematik in einfacher Form vermittelbar zu machen, damit die schwierigen Informationen verarbeitbar werden. Der musikalische Inhalt wird dargestellt und präsentiert, wodurch er für Menschen nicht nur präsent wird, sondern angeeignet werden kann. Die Lebensgeschichten sollen durch Text- wie auch Bildmaterial angereichert werden, wofür wir die Kooperation und Unterstützung verschiedener Archive erhalten und gleichzeitig ein Netzwerk von ExpertInnen aus den Bereichen Musik, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Soziologie, Psychologie und Pädagogik vereinen wollen. Insbesondere diese Vernetzung, auch mit bereits bestehenden Projekten um den Themenbereich der (politisch) verfolgten Musik sowie der Musik des 20. Jahrhunderts, ist uns ein Anliegen, weshalb LIMBO Kollektiv – wie der Name bereits andeutet – auch einen “kollektivistisch”-kollaborativen Ansatz verfolgt. Somit soll ein Archiv sowie eine Plattform entstehen, die gleichzeitig eine “virtuelle Gemeinschaft” bildet. Diese Gemeinschaft wird eingeladen, unseren intimen Konzertformaten beizuwohnen, durch die unsere aufwändig konzipierten und kuratierten Programme der Musik verfolgter KomponistInnen auch in der Realwelt Widerhall finden. Unser Anliegen ist es dabei auch, verschiedene Orte aus den Lebenswegen der KomponistInnen aufzusuchen und die Konzerte dort stattfinden zu lassen, um somit auch die Nachbarn und Nachbarinnen dieser Orte an der Geschichte teilhaben zu lassen und zu erreichen. Die präsentierte Musik unserer Live-Veranstaltungen wird archiviert und auf der virtuellen Karte eingesetzt, um die Lebensgeschichte seiner Erschaffer wiederum besser erzählen zu können und sich bildhafter in die hineinzuversetzen.

 

 

 

 

Text: Petra Sailer, Victor Nicoara und Katarzyna Wasiak


Szymon Laks

 

 

Gideon Klein